ZRxAnders macht Doppelstadt zum Kreativzentrum der Region – Interview mit Initiator Jürgen Wolf (Teil1)

3. Februar 2014 › Thüringen-kreativ.de News   

»Wir wollen zeigen, wozu Kunst fähig ist und wie wichtig diese für die Region ist.«

Die Initiative  »Kunst sucht Kreative« des Filmemachers Jürgen Wolf hat in Zeulenroda das kreative Potential einer Region gehoben. Seit Herbst 2013 treffen sich Kreative und Künstler, um Bürger, Stadt und Region mit ihrem Können und Schaffen neu und anders ins Licht zu rücken. Die mittlerweile 65 Mitglieder haben das Projekt auf den Namen  »ZRxAnders« getauft. Im Spätsommer 2014 ist ein großes Kunstfestival gepant.

Den Gründer und Macher Jürgen Wolf interviewte unser Redakteur Boris Knop.

Herr Wolf, wie sind Sie nach Zeulenroda-Triebes gekommen? Warum sind Sie als Künstler und Filmemacher in der Region geblieben?

1.TreffenZRXanderskleinerHallo Herr Knop, die Liebe hat mich in die Doppelstadt geführt und der herzliche Empfang der hier lebenden Menschen hat es mir leichter gemacht, mein Hamburg zu verlassen. Ich bin von meiner Grundenergie ein echter Aufbauer und weniger der Halter, und in der Region gibt es sehr viele Möglichkeiten, etwas zu tun und Aufbauarbeit zu leisten. Der ländliche Raum Thüringen mit seiner Natur und Stille gibt mir sehr viel kreative Kraft und bietet wenig Ablenkung. In der letzten Zeit habe ich immer öfters darüber nachgedacht, die Region zu verlassen, da ich als Kreativer gleichwohl dringend Impulse von Außen benötige. Diese wurden mit der Zeit immer weniger und ein Standortwechsel nach z.B. Leipzig oder sogar Hamburg hätte das ausgeglichen. Speicherstadt Hamburg, eine wundervolle Adresse für einen Filmemacher. Diese Impulse benötigt jeder Mensch, ob als Privatperson, Unternehmerin oder Kreativer, also rief ich das Projekt »Kunst sucht Kreative« ins Leben, um alle meine Bedürfnisse stillen zu können und Zeulenrodas schöne Kleinstadtenergie wiederzubeleben.

Auf Ihre Initiative »Kunst sucht Kreative« hin treffen sich seit Herbst 2013 Künstler und Kreative regelmäßig in Zeulenroda. Sie planen im Sommer 2014 zusammen das »ZRxAnders« Kunstfestival. Wie haben Sie die mittlerweile über 65 Beteiligten erreicht und haben Sie mit dieser hohen Anzahl gerechnet? Wo waren diese Künstler und Kreativen vorher?

Das Kunstevent wird am 06. September 2014 in der Doppelstadt stattfinden, die Kreativen haben sich auf diesen Termin geeinigt. Das wir viele gute und hoch motivierte Künstler und Kreative in der Region haben, war mir von Anfang an klar, aber ich habe nicht mit dieser gigantischen Projektgeschwindigkeit gerechnet. Von den 65 Kreativen, die zum größten Teil via Facebook erreicht werden konnten, sind ca. 20 bis 30 die eigentlichen MacherInnen und Ideenspender. Alle anderen sind in einer Abwarteposition aus unterschiedlichen Gründen. Künstler sind auch nur Menschen aber sehr spezielle. Wo waren die Kreativen vorher? Eine gute Frage. Genau so wie ich, zu lange im eigenen kreativen Dunstraum mit Minimalvernetzung in der Region.

ZRxAndersBild2Gibt es ein neues Bewusstsein in der Region rund um Greiz und Gera, Schleiz und Triptis, das sich Zeulenroda gerade als kreatives Zentrum sucht?

Greiz, Gera und Weida haben ihre kreative Szene und evtl. hat nicht jeder den Mut, einem Stammtisch mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern zu begegnen. Zeulenroda ist noch Neuland, nur wenige haben bisher eine Zusammenarbeit gesucht und auch gewagt. Vielleicht, weil es einfacher ist, bei etwas Neuem dabei zu sein und dieses auch mit aufbauen zu können?

Helfen dabei auch gerade die digitalen Kommunikationswerkzeuge Email und Facebook der Region eine auch kreative Identität zu geben?

Ohne ein Tool wie  Facebook wären wir als Gruppe lange nicht da, wo wir gerade sind. Der Emailverteiler dient eigentlich nur für einige junge Kreative, die nicht bei Facebook sein dürfen und Erwachsene, die dieses Medium aus unterschiedlichen Befindlichkeiten ablehnen. Ein Zeitungsartikel wird einmalig gelesen und dann kommt dieser in die Altpapiertonne, das Netz und seine Kommunikationsmöglichkeiten vergessen so gut wie nichts und erschaffen Identität. Gefestigt wird die kreative Identität durch unseren  Youtubekanal, denn das Medium Video ist auch international verständlich.

»ZRxAnders« bringt Professionelle und Hobbykünstler zusammen, aber passen die wirklich unter einen Hut? Wie würden Sie das Produkt des Gesamtprojekts beschreiben?

Die passen sehr gut zueinander. Genau so wie sich Existenzgründer und Mittelständler in einem Event von Herrn Erich-Norbert Detroy [Verkaufstrainer] begegnen können und Motivation miteinander teilen. Bisher leben wir in ZRxAnders das Prinzip: Was funktioniert, mache weiter und was kaum Zustimmung findet, lass sein. Es wird niemand gedrängt oder bevorzugt, egal ob Hobbykünstler oder Vollprofi, jeder muss seine Projektideen eigenverantwortlich stemmen und gegebenenfalls Hilfe anfordern. Unterstützung für alle ist da und jeder kann vom Anderen lernen. Wir wollen zeigen, wozu Kunst fähig ist und wie wichtig diese für die Region ist. Als Künstler habe ich auch einen Bildungsauftrag und der ist gerade sehr wichtig für meine Region.

ZRxAndersBild6Lässt sich das als Kultur- und Kreativwirtschaft begreifen, die ja als Branche den Anspruch pflegt erwerbsorientert, also mit Gewinn und Auskommen zu rechnen?

Auf die Zukunft gesehen ja, aber vorerst müssen wir unsere Ressourcen und Skills kennen lernen. Kunst, Kultur und Film werden gefördert und hier sehe ich eine Zukunft für uns als Kreative auch mit einem Zusatzauskommen rechnen zu dürfen. Für 2014 werden wir unsere Energie der Region und uns gegenseitig ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Es finden jetzt schon intensive Vernetzungen untereinander statt auch auf dem Weg der zukünftigen gemeinsamen Erwerbsorientiertheit. Als Filmemacher benötige ich z.B. immer interessante Sounds und Beats für meine Kundenaufträge, wofür ich die Musiker benötige.

Und welcher Mix aus Kreativen ist hier präsent? Worauf trifft der Künstler? Neben den klassischen Kunstformen wie Musik und Film soll auch Software eine Rolle spielen. Wie kommt das zusammen als Kunst?

Wir sind momentan fast ausgewogen Frauen und Männer. Autoren und Schriftstellerinnen, Musiker aus vielen Genres, Kreative aus dem Bereich LandArt, Maler und Graffitikünstler, Fotografen und Filmemacher, Körperperformer und Kunsthandwerker, Querdenker und Organisationstalente. Der Künstler trifft auf eine geballte Ladung an Eigenmotivation und Offenheit für Neues, und auf ein freundschaftliches Miteinander. Jeder Filmemacher und Fotograf arbeitet mit teilweise schwerer Software und jeder Kreative benötigt mindestens Kenntnisse in der leichten Fotobearbeitung u.a. für seinen Account bei Facebook oder das Pressefoto. Auch hier wollen wir Unterstützung bieten und uns austauschen. Ein Workshop mit freier kreativer Software soll Abhilfe bei Unsicherheiten schaffen. Ohne mein Schnittprogramm wäre ich absolut aufgeschmissen und könnte meinem kreativen Drang nur gering Ausdruck verleihen.

ZRAndersLogogrößerDie Fortsetzung des Interviews lesen Sie in  Teil 2.

 

 

Videostills © ZRxAnders, Jürgen Wolf

 

 

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